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Fahren auf Sicht.


Eine kleine Gebrauchsanleitung für Unternehmungen in frostigen Zeiten. Darüber, was Sie konkret tun können, wenn es schwer ist, vorauszusehen was als nächstes kommt.



Hier bei uns ist gerade so richtig Winter. Viel Schnee legt das Leben lahm. Doch auch wenn ihr zu Hause keinen Schnee habt, so ist doch unser aller Leben derzeit lahm gelegt. Drum, finde ich, kann dieser Winter auch gut als Sinnbild dienen. Denn: alles ist lahm gelegt und es ist unvorhersehbar, wie es weiter geht. Aber, wie damit umgehen?

1. Fahren auf Sicht

Wenn der Nebel am frühen Abend oder Morgen übers Land zieht, legt sich dieser wie eine warme Daunendecke über die Landschaft und lässt uns beim Spazierengehen ins Nichts schreiten. Ein weißes unendliches Nichts, das keinen Unterschied kennt zwischen Himmel und Erde. Dann können wir nur das nächste Stückchen Weg erkennen, aber kein Ziel. Was uns sonst als Orientierungspunkt dient, zum Beispiel die einsame Linde am Ende der langen Geraden, fehlt. Da hilft nur, sich auf das zu konzentrieren, was direkt vor uns liegt - und auf jeden einzelnen Schritt. Beim Spazierengehen ist das aufregend und romantisch. Beim Autofahren schon nicht mehr - und erst recht nicht beim Führen von Unternehmen. Was hilft?

„Fahren auf Sicht“. Das heißt:

» Geschwindigkeit drosseln,

» Konzentration auf den Weg lenken und

» nur so schnell sein, dass Sie noch jederzeit anhalten, oder neu navigieren können.

2. Lernen Sie von Bäumen, wie man mit »Schneebruch« umgehen kann

Ich sehe mir die verschneiten Büsche am Rande des Weges genauer an. Ich ziehe meine Handschuhe aus, streiche mit den Fingern darüber und bin erstaunt. Das fühlt sich viel härter an als gedacht. Jegliche Flexibilität ist aus den Ästen gewichen. Eis und Schnee haben sie erstarren lassen. Es lässt sich fühlen, wie leicht sie jetzt brechen. Zart sind sie, all die Äste, die von Eis überzogen sind. Verletzlich, anfällig für jede Erschütterung und jede weitere Last.

Und tatsächlich kracht es im nahen Wald alle paar Minuten. Äste fallen und ganze Spitzen brechen aus.

Für viele Unternehmen ist der erneute Lockdown mehr als hart. Und wir alle sind verletzlicher als sonst. Es wird Einbrüche geben - und Schäden. Und dagegen können wir zum Teil im Moment nur wenig tun. Jetzt in den Wald zu gehen und die abgebrochenen Äste zu beräumen, grenzt an Fahrlässigkeit. Aber Sie können von den Bäume lernen, wie sich „Schneebruch“ und „Frostschäden“ weitestgehend verhindern lassen:

A) Blätter abwerfen:

Unter anderem, um Schneebruch zu vermeiden, werfen Bäume ihre Blätter im Herbst von sich. Sie könnten sich also fragen: Was können Sie schnell noch loslassen, verkleinern, was gut wieder „nachwächst“, um sich vor Schäden zu schützen? Mein Kollege hat zum Beispiel sein Büro verkleinert und war erstaunt, dass sich dies sogar motivierend auswirkte.

B) Stoffwechsel-Prozesse herunterfahren:

Fragen Sie sich, wo Sie Energie sparen können. Viele Freiberufler berichten davon, dass das von-zu-Hause-Arbeiten einige Kosten erspart. Und: schauen Sie sich die Energieflüsse Ihres Unternehmens jetzt genauer an: Strom, Wasser, Benzin, Heizung, Lüftung… Vielleicht müssen nicht alle Räume geheizt sein, vielleicht können notwendige Fahrten zusammengefasst werden usw.?

C) Frostschutzmittel einsetzen:

Bäume haben in ihren Zellen Zucker und Eiweiß eingelagert, die ihnen in frostigen Zeiten als Frostschutzmittel dienen. Übersetzt könnte das heißen: Welche Ressourcen haben Sie, die Sie jetzt noch besser einsetzen, oder mehr draus machen könnten? Brachliegende Talente? »Ladenhüter« und Lagerware? Ungenutzte Kontakte und Netzwerke? …

D) Schmeißen Sie Äste ab.

So heftig dies klingt: manchmal ist ein Bruch besser als langsames Dahinscheiden. Was hierfür hilft, ist Konzentration auf Ihre Wurzeln: Ihre Vision, die die tiefste Wurzel Ihres Unternehmens, Ihr WARUM ist. Wenn Sie sich erinnern, was Sie eigentlich wollt(en), fällt die Trennung von manchem, was Sie wachsen lassen haben, vielleicht gar nicht so schwer...?

3. Bleiben Sie motiviert, denn: je tiefer der Schnee, desto höher der Klee.

Meine Großeltern und Urgroßeltern wünschten sich in meiner Kindheit immer Schnee. Sie sagten: »Je tiefer der Schnee, um so höher der Klee.« Denn: Schnee wärmt die Pflanzen und schützt sie so vor Frost. Und Schnee ist gut für den Boden in Feld und Wald. Er dient der Wasserversorgung.

Er bringt dem Boden Wasser, dass langsam einsickern kann und so sehr gut aufgenommen wird. Oberflächlich gesehen bringt Schnee uns Kälte und Ruhe, doch unter der Erde pulsiert bereits das neue Leben. Die in der Erde ruhenden Samen saugen sich besonders jetzt mit Wasser voll, um im Frühjahr zu keimen.

Das heißt: gönnen Sie sich unbedingt die Ruhe, die uns jetzt auch äußerlich verordnet ist. Gehen Sie raus - vielleicht in den Schnee? Lassen Sie sich inspirieren: z.B. mit inspirierenden Gesprächen, inspirierenden Filmen, Büchern und Texten und bereiten Sie sich in Ruhe auf den nahenden Frühling vor: Was wollen Sie dann entfalten, was soll im Frühling sichtbar sein und werden? Träumen und denken Sie kreativ ins Frühjahr! Und halten Sie Ihren Aktionismus im Zaum, denn: Jahreszeitlich gesehen ist jetzt noch keine Zeit für Früchte.

Kommen Sie gut durch den Frost!